Samstag, 01. Mai 2004, 12:00 Uhr

3. Tage für Streichtrio, Int. Bodenseefestival

‹Viele Wege führen zu Brahms›

Die 3. Tage für Streichtrio zeigen ein Streich- und ein Klaviertrio in verschiedenen Kombinationen. Das Thema des Bodenseefestivals lautet schlicht: Romantik. Wir nehmen dies zum Anlass, Brahms‘ Einfluss auf andere Komponisten zu verfolgen, auch über die Romantik hinaus Viele Wege führen zu Brahms
Besonderen Nachhall findet Brahms‘ Romantik in Russland. Kompositionen von Juon (ein „russischer Schweizer“), Lourié und Golisef lassen diese Verbindungen hörbar werden. Die Gedichte von Anna Akhmatova und Ossip Mandelstam lassen diesen Geist anklingen: Der Sonntag ist als Schwerpunkt dem Resonanzraum Russland gewidmet.

Als Leitmotiv dient uns op. 34 beispielhaft wird hier Brahms‘ Ringen um die richtige Form sichtbar.
Dieses Werk wurde letztlich als Klavierquintett berühmt.

Einführung durch Egidius Streiff, Streiff Trio:

Anfangs sollte alles so kommen: Eine andere Romantik früher Minnegesang neben japanischer Hofmusik und ungarischen Weisen aus der Puszta sollte einen neuen Geist wecken.

Es kam anders: Abgesehen von unserem ersten Konzert für junge Hörer (und wie die hören!), das irgendwo zwischen Beschwörung und einem Besuch im Zoo anzusiedeln ist, bewegt sich der neue Geist ganz im Innern, auch wenn wie bei Schönbergs Streichtrio mit seiner BeinahtodAssoziation eine Ahnung davon unversehens sichtbar an die Oberfläche dringt.

Ich freue mich über unsere wunderbaren Gäste: Das Trio Basilea (Claudia Sutter, Claudia Dora, Christoph Dangel) ist im Raum St.Gallen wohlbekannt.
Den eminenten australischen Pianisten Antony Gray möchten wir Ihnen aber gleich doppelt ans Herz legen: Hören Sie ihn als Pianisten, und hören Sie, wie er Brahms hört!
Zur Sache: Auf der Suche nach Schlüsselstellen der Romantik tauchte immer wieder das Klavierquintett op. 34 des jungen Johannes Brahms auf: Wir erlauben uns, das op. 34 insgesamt dreimal zu spielen und raten Ihnen, keine Aufführung zu verpassen, denn Sie werden das Stück nie wiedererkennen: Das liegt aber nicht an uns, sondern vielmehr an Brahms selber (und am Einfluss von Clara Schumann ?), der das Stück zweimal umgearbeitet und einmal verbrannt hat. Wir sind glücklich, dass sich Antony Gray an die Asche gewagt hat, und die verlorene Ur-Version für Streichquintett und zwar für zwei Violinen, Bratsche und zwei Violoncelli, wie jenes von Schubert! – wiederhergestellt hat, was uns erlaubt, die Entstehungsgeschichte von op. 34 hautnah mitzuerleben.

Der zweite Aspekt der Tage für Streichtrio widmet sich den Spätfolgen der Romantik in Russland: Die spektakuläre Absage des späteren Dadaisten Jefim Golisef wie die übersteigerte Vergötterung des romantischen Gedankens von Arthur Lourié. Auch die tragische Romantik einer Anna Akhmatova und eines Ossip Mandelstam, gespiegelt in den Werken von Lourié und Huber. Huber feiert dieses Jahr den 80. Geburtstag, genau wie Franz Furrer-Münch, dessen
grosses Streichtrio zu diesem Anlass uraufgeführt wird.

Viel Musik sagen Sie? Wir stimmen zu, und laden Sie ein:
Geniessen Sie, folgen Sie unserem Leitmotiv und lauschen Sie zum Ausklang in die strukturierte Stille der Uraufführung.