Sonntag, 21. Februar 2010, 17:32 Uhr

Franz Schubert: ‹Winterreise›

nach Texten von Wilhelm Müller

Gastkonzert

Hans-Peter Kobler (Zürich), Bariton
Niklaus Meyer (St. Gallen), Klavier

Einführende Worte:
Tildy Hanhart (Schaffhausen)

Gute Nacht
Die Wetterfahne
Gefrorne Tränen
Erstarrung
Der Lindenbaum
Wasserflut
Auf dem Flusse
Rückblick
Irrlicht
Rast
Frühlingstraum
Einsamkeit

Die Post
Der greise Kopf
Die Krähe
Letzte Hoffnung
Im Dorfe
Der stürmische Morgen
Täuschung
Der Wegweiser
Das Wirtshaus
Mut!
Die Nebensonnen
Der Leiermann

Niklaus Meyer und Hans Peter Kobler haben sich aufgemacht, den wohl berühmtesten Liederzyklus von Schubert, seine „Winterreise“ näher kennenzulernen.
Im Prozess der monatelangen Erarbeitung stellen wir mit Erstaunen fest, wie differenziert der dreissigjährige Komponist die Gedichte seines etwa gleichaltrigen Zeitgenossen Wilhelm Müller in musikalische Töne und Phrasen umsetzte. Die „Winterreise“ hat uns mit jeder Wiederholung, mit jedem neuen Versuch einer Interpretation weitere Dimensionen enthüllt, Dimensionen nicht nur im intellektuellen Bereich, sondern v.a. auch im Emotionalen, in den unerschöpflichen Schattierungen des Gefühlslebens. Erstaunlich war dabei festzustellen, wie „modern“ diese Lieder plötzlich werden können, wie direkt sie bei uns innerste Bereiche ansprechen.
Diese faszinierende Entdeckerreise möchten wir im Konzert zum Erlebnis werden lassen. Tildy Hanhart wird uns dabei mit erläuternden Worten zu Text und Musik begleiten.“

Tildy Hanhart
Lebensschwerpunkt der promovierten Germanistin und Kunsthistorikerin ist die globale und lokale Auseinandersetzung mit sozialen und gesellschaftlichen Fragen. Nach Leitung eines internationalen Jugendaustausches, Lehrtätigkeit, Journalismus und Mitwirkung in Solidaritätsgruppen für eine gerechtere Welt erfolgte ein Berufswechsel. Während zwanzig Jahren leitete sie den Bereich Kommunikation im Hilfswerk HEKS und koordinierte später ein schweizerisches Friedensprogramm zum Konflikt in Chiapas, Mexiko. Gegenpol zur sozialen Herausforderung, zu den Auswirkungen des Zerstörerischen von Unrecht und Krieg, ist für Tildy Hanhart das unbestechliche, universale künstlerische Schaffen des Menschen. Kunst jeglicher Art ist am Puls der Zeit und stellt die zentralen Fragen. Das war damals der Grund zur Aufnahme ihres Literatur- und Kunststudiums und floss dann ein in ihr journalistisches und öffentliches Arbeiten. Die Beschäftigung mit Franz Schubert hat den Charakter solch grundlegender Fragestellung.

Hans Peter Kobler
Seinen ersten Gesangsunterricht erhielt Hans Peter Kobler mit 18 Jahren an der Musikschule in Feldkirch.
Anschliessend absolvierte er eine professionelle Gesangsausbildung nebst seiner Tätigkeit als Lehrer und später als Psychologe. Diese führte ihn zu Hans Som (2 Jahre) mit Schwerpunkt Liedgesang und Oper, Sabina Manassi (1 Jahr), Madeleine Dien (mehrere prägende Jahre) mit dem Fokus im Bereich Oper, Kirchenmusik und Lied. Er bildete sich weiter am Musikkonservatorium in Zürich, war einige Jahre Leiter eines Frauenchores und beendete eine Dirigentenweiterbildung an der Musikhochschule Zürich. Seine verschiedenen solistischen Tätigkeiten führten zu einer Spezialisierung in den Bereichen Liedgesang und Kirchenmusik. Die Arbeit mit verschiedenen Dirigenten brachte ihn unter anderem auch mit dem renommierten Züricher Kammerorchester in Verbindung. Er wirkte mit bei Messen, Oratorien und auch als Liedersänger. Heute stehen vor allem die Lieder Franz Schuberts im Vordergrund, die für ihn existenzielle psychologische Themen auf einzigartig berührende Weise zum Ausdruck bringen.

Niklaus Meyer
absolvierte seine Ausbildung zum Konzertpianisten an der Musikakademie Basel
bei Felix Witzinger und am Konservatorium Zürich bei Jürg von Vintschger.
Er besuchte Meisterkurse u.a. bei Jörg Demus und Alfred Brendel. Das
Diplom als Kantor und Kirchenmusiker erhielt er an der Kirchenmusikschule
in Zürich unter Jakob Kobelt. Seine Ausbildung zum Chorleiter und Dirigenten machte er bei Wilhelm Ehmann und Sergiu Celibidache.
Niklaus Meyer ist vielseitig engagiert als Dirigent des St. Galler Kammerchors und des Glarner Madrigalchors und als Kammermusiker, Liedbegleiter und Organist. Seine Liebe zum Musiktheater entdeckte er, als er in den Siebzigerjahren neben Brenton Langbein die musikalische Leitung der Opera Factory Zürich übernahm. Dank zahlreicher Radioaufnahmen wurde er 1980 mit dem Ostschweizerischen Radio- und Fernsehpreis ausgezeichnet, und 1999 erhielt er den Glarner Kulturpreis.